Im Hamsterrad

Was  tun.

Wenn das wichtigste, was du im Leben hast – oder  präziser gesagt – was du  als dieses deklariert  hast –  dir verloren geht.

Abhanden kommt, nicht  mehr  kooperiert, sozusagen, einfach geht ohne dass du das willst.

Geld, oder ein Mensch, oder ein Umstand.

 

Indem es stirbt, oder dich verlässt, fallen lässt wie die berühmte heisse Kartoffel. 

Wenn es dich betrügt  oder belügt  oder beides. Wenn es dich einfach arm werden lässt, unbedeutend und verschuldet.

Wenn es sich abwendet von dir.

 

Wenn etwas, jemand, stirbt, dann kann wenigstens keiner was dafür, naja, der Tod vielleicht. 

Oder der Tölpel von Arzt oder andere Gegner, die böse Krankheit und der Unfallzufall.

Oder die Weltwirtschaftslage.

 

Denn dann, dann hat es nichts mit dir zu tun. 

Dann ist es  der Tod. 

Der einzige Lebensteilnehmer,  den wir alle ohne Diskussion als Sieger akzeptieren.

Das ist einfacher.

Alles andere ist zu schwer um es zu ertragen.

 

Warum eigentlich?

 

Weil wir unsere Vorstellung von uns klar und rigide in uns haben. 

Davon, wie das Leben zu sein hat; und davon, was uns erfüllt und glücklich macht. 

 

Und, das wichtigste:

 

Weil wir das an die eine Sache gekoppelt haben.

 

Und wenn die wegfällt, dann zerfallen wir. 

Dann zerfällt unser Drehbuch. Das Drehbuch das jeder von uns in sich jeden Tag neu schreibt –  

In der Regel jeden Tag dieselbe Szene.

 

Das hatte ich mir doch so schön vorgestellt.

Wohlstand, die Liebsten um mich, und wir leben ein tolles Leben. 

 

Ok.

Und die anderen? Wissen die davon?

Hast du die gefragt ob die dasselbe wollen wie du? Haben die denselben Film im Kop fwie  du?

Sehen die dich und sich  und die Zukunft so,  wie du selbst dich und die Zukunft siehst?

 

Ob die dieselben Werte und Träume und Vorstellungen haben wie du? Weisst du was die wirklich wollen?

 

  • Nein, das habe ich nicht.  Woher soll ich das wissen?  Haben die mir nicht gesagt.

 

Nein. Du hast sie ja auch nie gefragt.

 

  • Nein. Die mich aber auch nie gefragt. Ich dachte das wäre alles klar. Jeder will das doch so. 

Und was hast du dir überlegt, wenn die Dinge nicht so werden wie du es geplant hast?

– Das will ich nicht wissen, da denke ich nicht dran. Das darf nicht sein.

Was nicht sein kann, das nicht sein darf

 

So entsteht das, was der  Dramatiker dann Schicksal nennt.

 

Hätte man mal kulturell bedingt gelernt, Wahrheit  klar zu kommunizieren. 

 

Haben wir aber nicht.

Die Wahrheit ist zu kantig. 

Wir haben so intensiv gelernt, nicht zu sagen , was uns bewegt, dass es sich absolut absurd anfühlt, das zu tun. Schweigen wird als Stärke definiert. Ein Desaster.

 

Wir schleifen lieber alles soweit ab, bis wir nichts mehr darüber sagen, was unsere Erwartungen an  uns, an das Leben sind, was unsre Werte und was unsere Ideen, und ob das überhaupt zusammenpasst.

 

Ein farbloser Satz ist die sachliche Essenz jeder enttäuschten und zertrümmerten Lebensgeschichte:

 

Das habe ich mir anders vorgestellt.

 

Letztlich ist genau das geschehen. 

Das hast du dir eben anderes  vorgestellt.

Du hattest andere Erwartungen.

 

Das was am meisten schmerzt ist:

Das Begraben müssen unserer Hoffnungen.

 

Es ist es was uns das Genick bricht, wenn wir verlassen werden,

Vom Glück oder vom Liebsten oder vom Geld, enttäuscht, hintergangen. 

Von anderen. 

Von uns selbst oder vom Zufälligen.

 

In der Tiefe hattest du einfach einen ziemlich hoffnungsgetränkten Ideenschwamm.

Er ist entstanden aus Kultur- und Familientraditionen; aus Filmen, dem Umfeld und anderen Vorlagen.

 

Manchmal im Leben ist das letzte was und genommen  werden muss, die Hoffnung. 

Vielleicht  darauf, dass es doch noch so wird, wie wir es erwarten und erträumten.

Auch wenn ein anderer lange weg ist, hält dich diese Hoffnung in enger  Verbindung.

 

Solange du daran festhältst, wirst du niemals frei sein.

Es wird auch Anhaftung genannt.

 

Wie Ertrinkende klammern wir uns an die Hoffnung, dass es doch noch eine Einigung gibt, eine Wiedervereinigung mit einem anderen Menschen, oder einem Lebensumstand.

 

Wie geht ein glückliches Dasein jenseits der Hoffnung?

Ich hab da was.

 

Das ist nicht einfach, ist ein Stiefel an innerer Arbeit, es führt dich in eine Begegnung mit dir selbst – und die musst du natürlich auch wollen. 

Zum Beispiel weil du verstanden hast, dass alles andere ein Bypass ist und bleiben wird.

 

Und: es funktioniert.

 

Wie  also?

 

Indem die Verkupplung aufgehoben wird.

 

Bedingtes  Glück.

Wenn – Dann.

Was  meine ich?

Ich erkläre es.

Es ist ganz einfach in der Theorie.

 

Was ist Dein Wenn – Dann?

 

 

Was ist Dein:

Ich kann nur wirklich glücklich sein, wenn ich — habe.

 

Was setzt du da ein?

 

Familie?

Partner?

Geld?

Sicherheit?

Gesundheit?

Schönheit?

Unabhängigkeit?

 

Das ist der Weg. 

 

Es geht nicht darum die Dinge wegzuwerfen, das geht ohnehin nicht.

Es geht darum, alles zu integrieren, wirklich alles.

 

* Fortsetzung folgt *

 

 

 

 

Herzlichst,

Miriam